Wirtschaftslehre an deutschen Schulen – Mangelhaft?

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Kommt das bundesdeutsche Bildungssystem eigentlich medial überhaupt noch aus den Negativschlagzeilen heraus?

Nach dem „PISA-Schock“ von 2000 wurden wichtige Verbesserungen im Bildungssektor angestoßen. Aber in den Jahren 2001 bis 2021 erfolgten immer wieder kapitale Tiefschläge für Deutschlands Schulen. Nun folgt anscheinend der nächste:

Deutschlands schulisches Bildungsangebot im Fachbereich Wirtschaft ist laut der OeBiX-Studie mangelhaft.

Zeit, sich das Thema „financial literacy“ an Schulen genauer anzuschauen.


Was ist die OeBiX-Studie?

Die OeBiX-Studie wurde im Auftrag der Flossbach von Storch Stiftung angefertigt. Die akademische Durchführung und Auswertung erfolgte durch das Institut für ökonomische Bildung (IÖB) der CvO Universität Oldenburg, deren Pädagogische Hochschule (ehemals: Pädagogische Akademie) im Kern bereits seit dem Jahr 1929 existiert. Die fachliche Expertise im Bereich Bildung und Pädagogik ist also entsprechend hoch; die OeBiX-Studie in puncto Datenerhebung und Auswertung daher vertrauenswürdig.

Alle Studienergebnisse können online interaktiv eingesehen, bzw. auf Wunsch bundeslandspezifisch in Print bestellt werden. Es existiert außerdem eine klassische Folien-Präsentation der Kernergebnisse.

Die wichtigsten Ergebnisse der OeBiX-Studie

Die OeBiX-Studie untersuchte die zwei wichtigsten Aspekte zum Thema Wirtschaftslehre an Schulen, jeweils für die Sekundarstufe 1 (Klassenstufen 5 bis 10) und Sekundarstufe 2 (Klassenstufen 11 bis 12 bzw. 13) :

  • Die Quantität und Qualität der Lehrerausbildung für den Fachbereich Wirtschaftslehre an den Seminaren zur Lehrerbildung.
  • Die Quantität und Qualität des Wirtschaftsunterrichts an deutschen Schulen.

Aus beiden Aspekten wurde jeweils ein Güte–/LeistungsindexTeilindex Lehrerbildung und Teilindex Schule – erstellt. Beide Indizes wurden dann zum ökonomischen Bildungsindex OeBiX kombiniert, um ein Ranking der Bundesländer bezüglich der Wirtschaftsbildung zu generieren.

Die Zusammenfassung der Studienergebnisse sind ernüchternd:

  • 11 von 16 Bundesländern haben extreme Defizite in der Ausbildung ihrer Lehrkräfte, was die Kompetenz im Fachbereich Wirtschaftslehre angeht.
  • Wirtschaftsunterricht an Schulen ist ein Stiefkind: Selbst in der gymnasialen Bildung erreichen Inhalt und Stundenumfang der Wirtschaftslehre im Bundesdurchschnitt nicht einmal den Stand eines Nebenfachs mit zwei Wochenschulstunden.
  • Noch gravierender ist aber, dass sich die Verantwortlichen der föderalen Bildungslandschaft in Form der Kultusministerkonferenz seit 18 Jahren nicht zu einheitlichen Bildungsstandards und Kerncurricula für den Wirtschaftsunterricht an Schulen durchringen konnte.
  • Das heißt konkret auch, dass seit 2002 keine GroKo – sei es das Kabinett Schröder II oder die nachfolgenden Kabinette Merkel – es vermocht hat durch Gespräche mit den Ländern hier substanziell etwas zu bewegen.
OeBiX-Studie – Kernergebnisse, S.2
OeBiX-Studie – Kernergebnisse, S.7

Schaut man sich die Länderindizes des OeBiX genauer an, fällt folgendes auf:

  • Die Schlusslichter des OeBiX bilden Rheinland-Pfalz, Sachsen, das Saarland, sowie die Stadtstaaten Hamburg und Berlin.
  • Diese Bundesländer erreichen gerade einmal etwa 30% (+/– 5 bis 7%) des ökonomischen Bildungsindex, verfehlen also ca. 70% der zu erwartenden Güte und Leistung im Fach Wirtschaft. Auf die Spitzenreiter herrscht ein Abstand von 30%; die Wirtschaftsbildung ist also nur halb so gut.
  • OeBiX-Spitzenreiter sind Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen. Alle drei Bundesländer liegen im ökonomischen Bildungsindex über 64%. Niedersachsen hängt die beiden anderen sogar ab.
OeBiX-Studie – Kernergebnisse, S.8
OeBiX-Studie – Kernergebnisse, S.10

Was die OeBiX-Studie verschweigt

Nicht nur Schatten, auch Licht

Leider lässt sich aus den Ergebnissen der Studie nicht erkennen, dass es in einzelnen Bundesländern durchaus auch sehr guten Wirtschaftsunterricht gibt, der stetig verbessert wird.

Beispielsweise gibt es in einigen Bundesländern Wirtschaftsgymnasien (WG) In Baden-Württemberg z.B. ist diese Schulform ein „Schulversuch“, der sich seit mehr als 30 Jahren bewährt hat.

Im dortigen sechsjährigen WG werden die Schüler ab Klassenstufe 8 bis zum Abitur in Betriebs- und Volkswirtschaftslehre unterrichtet. Wirtschaft stellt eines der verpflichtenden schriftlichen Abiturfächer dar – neben Mathematik, Deutsch, den Fremdsprachen und den Natur- und Geisteswissenschaften.

Aktuell werden in den Wirtschaftsgymnasien im Ländle die Bildungspläne umgestellt, was z.B. im Wirtschaftsunterricht dazu führt, dass Schüler – neben dem Pflichtunterricht in Wirtschaft als vollumfängliches Hauptfach – ab Klassenstufe 11 das Wahlfach „Privates Vermögensmanagement“ wählen können.

Die Schüler lernen dort u.a. die wichtigsten Aspekte zur persönlichen wirtschaftlichen Haushaltsführung (Budgetierung, Risikoabsicherung, etc.), zum Zahlungsverkehr (mobile Payment, Kontenführungsmodelle, Einlagensicherung, etc.) und zum Vermögensaufbau mittels Wertpapieren (Aktiendepots, ETF-Sparen, etc).

Da die Schulart WG jedoch bundesweit zahlenmäßig unterrepräsentiert ist, sieht die OeBiX-Studie eher die Schattenseiten der „financial literacy“ an Schulen und blendet diese Lichtstrahlen auswertungsbedingt aus.

Der Fisch stinkt oft vom Kopf her

Die gemessenen Defizite der OebiX-Studie korrelieren – teilweise auch nahtlos durchgehend – mit langen Führungsperioden einer der großen Volksparteien in den entsprechenden Landtagen und Bürgerschaften:

Die SPD stellt aktuell vier der fünf Kultusminister der Länder, die in der OeBiX Studie versagt haben. Auch deren Amtsvorgänger kamen aus dem linken Parteispektrum, in Berlin sogar aus der Linkspartei. Die Ausnahme bildet nur das ebenso schlechte, kultusministeriell aber durchgehend CDU geführte Sachsen.

Spitzenreiter Niedersachsen gibt mit seinen Kultusministern kein so einheitliches parteipolitisches Bild ab, wie die Schlusslichter der OeBiX-Studie, profitiert aber – wie Baden-Württemberg und Bayern auchvon seiner Wirtschaftsnähe und Innovationsleistung.

Es ist jedoch äußerst auffällig, dass in Deutschland gerade dort der mangelhafteste Wirtschaftsunterricht an Schulen zu finden ist, in denen Landesregierungen ideologisch dem linken Meinungs- und Weltanschauungsspektrum zuzurechnen sind.

Leider fehlt mir hier die Zeit die akademische und praktische wirtschaftliche Expertise der Mitglieder dieser einzelnen Landtage zu analysieren. Aber wenn in SPD geführten Bundesländern Mietendeckel eingeführt und diese als rechtswidrig wieder einkassiert werden, und im Vorfeld nicht darüber nachgedacht wurde, dass dieser Schritt den Häuserbau weiter herabfahren wird weil die Anreize dadurch so falsch gesetzt werden wie nur geht, dann kann es um die Wirtschaftsexpertise dieser Politiker nicht gut stehen.

Und das in Zeiten, wo jeder Hinz und Kunz sich auf YouTube Expertenwissen und Vorträge von Nobelpreisträgern for free anschauen kann.

Die Zukunft: Bildung wird wieder mehr Familiensache statt Dienstleistung

Wenn die Entwicklung eines guten Ökonomie-Unterrichts also von Staatsseite stockt (und das seit 18 Jahren), müssen Eltern selbst aktiv werden.

Warren Buffett, der legendäre Investor von Berkshire Hathaway, hat in seinem frühen Leben ebenfalls keine Schulbildung im Fach Wirtschaft genossen. Dies hielt ihn aber nicht davon ab, sich für das Thema eigeninitiativ zu interessieren und einer der erfolgreichsten Business-Männer der Welt zu werden.

Unterstützt durch seinen Vater – der selbst Unternehmer und engagiertes Mitglied des Schulkommitees in Omaha, Nebraska war – entwickelte Buffett früh ein Interesse für Ökonomie. Er erzählt gerne davon, dass er in der Bücherei von Omaha alle Wirtschaftsbücher las, die es zu lesen gab. Auch heute noch liest Buffett fünf bis sechs Stunden. Pro Tag!

Buffett liest die Klassiker immer wieder: Seinen ehemaligen Mentor Benjamin Graham, Philip A. Fisher, Howard Marks, John C. Bogle. Es gibt so viel gute Finanzliteratur.

Diese Erfolgsgeschichte zeigt exemplarisch:

Erwarte keine staatliche Dienstleistung – auch nicht im Bildungssektor –, sondern handle selbst, um dir selbst und deinen Kindern langfristig viele Türen öffnen zu können.

Fazit: Es bleibt viel zu tun in Deutschland

Wirtschaftsbildung hat im Augenblick noch einen schweren Stand an Deutschlands Schulen, aber nicht alles ist schlecht wie dieser Artikel dir hoffentlich zeigen konnte.

Wer seine Kinder auch beim Thema Ökonomie gut bilden möchte kommt nicht drumherum Eigeninitiative an den Tag zu legen und/oder mit den Füßen abzustimmen, insofern dies möglich ist.

Alles Gute kommt von oben!

Chris, dein Guter Verwalter.

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