Nimm deine Finanzen in deine eigenen Hände! (Teil 1 von 5)

Der Start der fünfteiligen Artikelreihe 'Nimm deine Finanzen in deine eigenen Hände'.
Foto von Danielle MacInnes auf Unsplash

Eine Geschichte zu Anfang

Stell dir vor du bist ein erfolgreicher Geschäftsmann (oder eine erfolgreiche Geschäftsfrau). Dein persönlicher Tagesablauf ist fast immer pickepacke voll: Zwölf bis 15 Stunden pro Tag investierst du in deine Firma. Du liebst es! Treffen mit Businesspartnern; neue Visionen und Strategien mit deinen Aufsichtsräten und Think Tanks entwickeln; in ferne Länder reisen, um Produktions- und Vertriebsketten zu erweitern; neue Kulturen und Menschen kennenlernen; persönliche und professionelle Netzwerke ausbauen. Und all das zahlt sich stetig für deine Firma aus: Der Rubel rollt, könnte man sagen.

An einem Tag legt dir ein guter Freund eine Mappe auf deinen Schreibtisch. Du schlägst sie auf und studierst das Geschäftsmodell: Gleich drei Geschäftsfelder auf einmal! Die Chancen sind extrem lukrativ, der Burggraben (engl.: moat) für alle drei Teilbereiche ist riesig. Du willst natürlich sofort einsteigen, aber: Dir selbst fehlt die Zeit.

Es bleibt dir nur eins übrig: Du delegierst die Aufgabe in die drei Geschäftsfelder einzusteigen an drei deiner fähigsten Manager und stattest sie alle drei mit einer entsprechenden Stange Geld und Handlungsvollmachten aus, um die Deals zu machen und möglichst viel Cashflow zu generieren. Weil du dir sicher bist, dass alles gut laufen wird wendest du dich den anderen laufenden Projekten zu.

Nach einigen Quartalen bestellst du deine drei Manager ein, um dir berichten zu lassen, wie die drei Teilgeschäfte bislang gelaufen sind. Manager Nr. 1 erklärt dir stolz, er habe das ihm anvertraute Geschäftsfeld so geführt, dass er dein Investment jetzt schon verzehnfacht hat. „Alles richtig gemacht!“ denkst du dir.

Manager Nr. 2 will nicht als Loser dastehen, denn er kann auch Erfolge verzeichnen: Er hat dein initiales Investment verfünffacht. „Wow, nicht schlecht!“ denkst du dir auch hier. Aber während Nr. 1 und Nr. 2 dir enthusiastisch von ihren Erfolgen berichten schleicht sich Manager Nr. 3 fast unmerklich immer weiter in Richtung deiner Bürotür. Dir fällt das natürlich auf und du fragst ihn direkt nach seinem Quartalsbericht. Nach einigen Herumdrucksen gesteht dir Nr. 3, dass er den Deal entgegen deiner unmissverständlichen Anweisungen nicht abgeschlossen hat und daher auch nichts erwirtschaften konnte.

Ich hatte Sorge, dass Sie sich bei Ihrer Unternehmensbewertung geirrt und so vielleicht falsch entschieden haben könnten, Chef. Immerhin war das schon eine Stange Geld, die Sie da investieren wollten, und deshalb habe ich ihr Investment am ersten Tag in Bar von der Bank abgehoben und  im Firmentresor verwahrt.

Du traust deinen Ohren nicht. Was für ein schlechter Manager, der dich aus einer Kombination von Besserwisserei gepaart mit substanzloser Angst und nicht begründbarer Risikoaversion um dein lukratives Geschäftsmodell gebracht hat!

Du bedankst dich abschließend höflich bei deinen drei Managern, wünschst Nr. 1 und Nr. 2 weiterhin viel Erfolg und beendest das Meeting. Und mit einem Anruf in der Personalabteilung wirfst du Manager Nr. 3 sofort achtkantig aus deiner Firma.


Deine Finanzen in deiner Hand: Die kommende Artikelreihe

Diese Geschichte vom „treulosen Verwalter“ findet sich so ganz ähnlich im meistverkauften Buch der Welt wieder und wirft auch heute noch wichtige Fragestellungen für dich und mich als Privatinvestoren auf, die es sich lohnt genauer anzuschauen.

In dieser Artikelreihe bekommst du Input zu folgenden Themen:

1) Meine BestandsaufnahmeWo verorte ich mich aktuell in puncto Umgang mit Risiko und Finanzen?

Würden wir uns deinen aktuellen Umgang mit deinen privaten finanziellen Ressourcen betrachten, welchem der Manager aus der Geschichte würdest du wohl am ehesten entsprechen: Eher einem der beiden treuen und risikofreudigeren Verwaltern Nr. 1 und Nr. 2, oder dem untreuen, risikoaversen und ängstlichen Verwalter Nr. 3? Eine unangenehme aber notwendige Frage, die es wert ist genauer betrachtet zu werden.

2) Mein Risiko – Was ist meine persönliche Risikotragkraft wenn es um meine Finanzen geht? Warum bewerte ich finanzielle Risiken so, wie ich es tue?

Wenn du planst Finanzen eigenverantwortlich gut zu managen, musst du für dich den Begriff des Risikos definieren und mit Inhalt füllen. Es stellt sich dann auch die Frage, anhand welcher erlernten Bewertungs- und Denkmuster du überhaupt zu deiner Einschätzung „risikoreich“ bzw. „risikoarm“ kommst, und ob deine mentalen Heuristiken wirklich hilfreich sind, Risiken angemessen zu bewerten. Denn wenn du das nicht tust ist die Chance groß, dass das Erreichen deiner zukünftigen Ziele ausbleiben wird, entweder, weil eigentlich moderate Risiken über- oder extreme Risiken unterschätzt werden.

Es geht also auch darum, eigene kognitiven Dissonanzen, Glaubenssätze und Vorurteile kennenzulernen und sie bestenfalls in hilfreiche Denkmuster umzubilden. Denn nur das wird dir helfen Geschehnisse in Politik, Wirtschaft und Finanzwelt rationaler zu bewerten, um durchdachte Entscheidungen treffen zu können, die nicht der Euphorie oder der Panik entspringen.

3) Meine Ziele – Wo möchte ich mit meinen Finanzen zukünftig stehen?

Zeit und Ressourcen, die wir im diesem Leben haben sollten für unsere persönliche Finanzplanung bestmöglich – d.h. am meisten gewinnbringend eingesetzt werden. Das kann unter anderem bedeuten, Zeit und Geld nicht zu verschwenden, sei es z.B. durch Inaktivität (siehe Manager Nr. 3) oder durch Hyperaktivität. Beide Extreme bergen das Potenzial maximal renditemindernd zu sein.

Wie kannst du also langfristig und stetig das erreichen, was dir in puncto Geldanlage in Zukunft helfen wird (z.B. stabile Alterseinkünfte zu generieren, die finanzielle Unabhängigkeit erreichen, etc.)? Die ‚Regel des kleinsten Bedauerns’ (Savage-Niehans-Regel) stellt eine gute Möglichkeit dar deine Ziele für die Geldanlage nicht nur zum ersten Mal überhaupt zu formulieren, sondern dir auch die Perspektive dafür zu öffnen, welche Handlungen notwendig sind, um beispielsweise an der Börse erfolgreicher Langfristinvestor zu werden.  

4) Mein Plan – Was möchte ich konkret umsetzen und wie halte ich das durch?

Grau, theurer Freundt, ist alle Theorie.“ lautet ein Zitat aus Goethes Faust und Recht hat er damit. Nachdem du dich mit deinem aktuellen Zustand, deinen Denkmustern und deinen Zielen beschäftigt hast ist es an der Zeit konkret loszulegen und mit dem privaten Finanzmanagement zu starten.

Zusätzlich müssen wir – im Hinblick auf unsere Risiken und Denkmuster – Strategien entwickeln langfristig am Ball zu bleiben, auch wenn die Realitäten (z.B. starke Börsenkorrekturen) und unsere Psychologie uns gerne in andere Richtungen lenken wollen. Es geht beim langfristigen Investieren nämlich nicht darum das Maximum an Rendite in kürzester Zeit rauszuholen – koste es was es wolle. Viel mehr geht es darum, einen psychologischen Marathon mit vielen Verlierern als einer der wenigen Überlebenden zu überdauern: „Winning a loser’s game.“ ist die Devise. Das wirst du hier lernen.


Fazit (Teil 1 von 5)

Ist es möglich ein guter Verwalter der eigenen Finanzen zu werden? Die Antwort ist ein ganz klares ja!

Bleib also dran, wenn wir im nächsten Teil dieser Reihe eine Blick in das wagen, was immer am schwersten ist: Unseren eigenen momentaner Zustand, die Bestandsaufnahme.

Alles Gute kommt von oben!

Chris, der Gute Verwalter

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